Was Google wirklich will

Google wird immer mehr auch in den Medien abseits des Internets diskutiert. Von Datenkrake und Weltmacht ist in diesem Zusammenhang häufig die Rede. Doch was will Google eigentlich wirklich? Dieser Frage widmet sich ein aktueller Beitrag auf ibusiness.

Google ist mittlerweile sogar schon zum politischen Thema geworden. Denn auf das Thema Datenschutz und Google sind nun auch Politiker aufmerksam geworden, die versuchen auf Wählerstimmen zu gehen.

Bei den verschiedenen Meinungen unterscheidet ibusiness zwischen zwei verschiedenen Lagern:
- die Techno-Boys, die zukunftsorientiert und unkritisch sind und
- die Kulturpessimisten, die rückwärtsorientiert sind und die Technik nicht verstehen

Eine sachliche Diskussion führen zu können, sei meist nicht möglich, da es den Google bzw. Internet Gegnern schlicht an Know-How fehle, um richtig mitreden zu können.


Was macht Google wirklich?

Zu Beginn handelte es sich bei Google um eine Suchmaschine, die ganz klein als das Projekt zweier Studenten begann. Tatsächlich hat sich seither einiges getan und Google wurde ständig verbessert und zudem wurden die Angebote weiter ausgebaut.

1. Universal Search
Das Kerngeschäft von Google konzentriert sich darauf alles indizierbare zu indizieren. Früher beschränkte man sich bei Google dabei auf Texte von Webseiten. Heute werden auch Bilder, News, Videos, Dokumente und Bücher und vieles mehr indiziert und folglich auch in den Suchergebnissen gelistet. Zudem liefert Google beispielsweise Kartenmaterial. Vor allem dieses sowie Bücher und News lassen Verleger auf die Barrikaden gehen, da sie hier mit einer extrem großen – und vor allem kostenlose – Konkurrenz zu kämpfen haben.

2. Werbung
Nachdem es sich bei Google um einen Konzern handelt – und nicht um eine wohltätige Einrichtung – muss auch hier wirtschaftlich gearbeitet werden. 99 Prozent des Umsatzes (26 Mrd. US-Dollar) kann Google über Werbung erwirtschaften. Dabei wird Werbung von Werbetreibenden zu zwei Drittel auf eigene und zu einem Drittel auf fremde Produkte geschaltet. Nachdem Google hierzulande die Nummer Eins in Sachen Suchmaschinen ist und auch einen Großteil des Affiliate Marktes besitzt, geht mehr als die Hälfte des deutschen Online Werbeumsatzes auf die Kappe des Suchmaschinenkonzerns.

3. Handy
Mit dem mobilen Markt hat Google eine boomende und gut funktionierende geschäftliche Erweiterung finden können.

4. Services und Software
Zwar floppen neue Google Produkte immer wieder einmal, dennoch schaffen es viele davon eine ernsthafte Konkurrenz zu den Mitbewerbern zu werden – allen voran Google Mail, Google Analytics, Google Desktop etc. Dabei scheut Google auch den Kampf mit Größen wie Microsoft nicht und ist bereit mit Innovation und Know-How in die Schlacht zu ziehen.


Teil der Google Strategie ist es auch viele neue Produkte auf den Markt zu werfen – die User sozusagen bei der Stange zu halten. Produkte, die nicht gut angenommen werden, werden einfach aussortiert und durch neue ersetzt. So versucht sich Google zum Beispiel derzeit gerade in Sachen Echtzeit Kommunikation (Stichwort: Wave), im Verlagswesen (Fast Flip, Livingstories), Programmiersprache (GO), Videokompression und Dekompression (Kauf von On2) oder im Table PC Markt. Nicht zu vergessen ist das Voice IP Konzept, welches Mitte des Jahres an den Start gehen soll.

So gesehen kann man wirklich auf die Idee kommen, dass Goolges endgültiges Ziel die Weltherrschaft – zumindest in der virtuellen Welt – sei. Vergleicht man Google mit Größen wie Intel, Sun, Oracle und SAP erscheinen diese wie Nischenanbieter.

Zwar sind nicht alle Google Services kostenlos – vor allem die Enterprise Lösungen müssen bezahlt werden – diese kostenpflichtige Dienste machen allerdings nur einen verschwindend geringen Anteil der Google Aktivitäten aus.


Was bezweckt Google mit dieser Vorgehensweise?

Schaut man sich die Struktur der Google Umsätze etwas genauer an, dann kommt man schnell zum Schluss, dass sich die Bemühungen auf die Werbekette beziehen. Das bedeutet von der Konzeption bis hin zur fertigen Auslieferung. Nachdem immer größere Teile der Budgets vom offline in den online Markt umgelagert werden und der Markt somit weiter am Wachsen ist, wird auch Google weiter wachsen.

ibusiness unterscheidet dabei fünf Ebenen der Googlenomics:

1. Strategische Projekte mit unmittelbarem Werbebezug zur Erhöhung der Reichweite, Performance und Qualität der Werbemittel
  • Neue Werbeformen und Ausbau der Suchmaschine in mehreren Dimensionen
  • Dienste zur Geschäftsabwicklung
  • Suchmaschine hinsichtlich Gegenstand (Maps, Streetview, Bücher, Produkte etc.), Art (AdWords, AdSense, Youtube), Verfahren (PageRank etc.), Technologie (Semantik: Rich Snippets, Square), Mittlerfunktion zwischen Werbetreibenden und -empfänger mit neuen Werbeformen (Goggles, Call-In-Ads etc.), Lokales Marketing (Latitude, Goggles und Yelp-Übernahmegerücht) Online-Produkte, die entweder als Werbeträger tragfähig werden, die Performance von Werbung verbessern oder die Usability der mit Werbung beklebten Medien steigern (insbesondere Docs, Mail, Talk) Annexprodukte wie Google Analytics, Google Ad Planner und Google Trends zur verbesserten Analyse und Abwicklung des Werbegeschäftes; Google Affiliate Network

2. Strategische Projekte bei Umbrüchen in der Mediennutzung mit nachgewiesener Mobile Endgeräte
  • Monetarisierungsmöglichkeit
  • Android,
  • Tablet-PC
  • Dienste für Lokales Marketing,
  • Nexus One,
  • Google WiFi for Airports
  • Livingstories und Fastflip

3. Projekte bei Umbrüchen in der Mediennutzung unklarer Monetarisierung, aber schon hoher Reichweite
  • Wave
  • Youtube
  • Echtzeit
  • Voice
  • Soziale Netzwerke

4. Technologische Projekte zur Stärkung der Online-Plattform
  • Internet-Infrastruktur & Formate
  • Browser
  • Cloud-Services, DNS; Gears; natives Video (ab HTML 5)
  • Chrome/Chromium
  • Betriebssystem

5. Labs, interne Piloten (gehören in die Klassen 1 bis 4, wenn sie erfolgreich und marktreif sind)
(sehr große Anzahl, Google hat rund 10.000 Entwickler mit Hochschulabschluss)


Dabei wird die Qualität der Suchergebnisse immer eine wichtige Rolle bei Google spielen – schließlich sind sie das Aushängeschild und ein großer Imageträger. Hierfür wird sich Google noch mehr ins Zeug legen müssen, denn vor allem von der Echtzeitsuche kann man sich neue und ungeahnte Möglichkeiten an Spam erwarten. Ein großes Thema wird in diesem Zusammenhang wohl die semantische Suche spielen, die Google dabei helfen wird, die Spreu vom Weizen zu unterscheiden. Bis die Semantik ausgereift ist, wird sich Google jedoch weiterhin mit der Personalisierung der SERPs behelfen müssen.

Mit Google Voice und dem Android Betriebssystem will Google versuchen den bisher streng reglementierten Telekommunikationsmarkt aufzubrechen – wie dies bereits zum Teil auch schon Apple versucht hat.

Versucht man sich also bei den Tätigkeiten von Google zu vergegenwärtigen, warum der Konzern so handelt, kommt man auf ganz einfache wirtschaftliche und logische Erklärungen, die weitab jeglicher Verschwörungstheorie sind.

Google kann somit beschrieben werden als ein Anbieter von Informationsinfrastruktur (Betriebssystemen, Applikationen etc) und anderen Services, der das Ziel hat im Gegenzug dazu seine Werbung zu verkaufen, welche innerhalb der SERPs auf Partnerwebseiten und vielleicht irgendwann im eigenen Betriebssystem platziert wird.


Hier einige Beispiele zu Googles strategisch geprägtem Geschäftsmodell:
- Umsatzerlöse im mobilen Markt werden mit den Telekom-Anbietern geteilt.
- Im mobilen Markt geht Google offene Partnerschaften ein.
- Google konzentriert sich auf den digitalen Markt.


Google handelt also logisch und folgt einer nachvollziehbaren Unternehmensstrategie, wobei es (auch) um die Gewinnerzielung geht, wie in jedem anderen Unternehmen auch. Diese Einstellung ist zwar strittig, jedoch sollte sich eine Diskussion in diesem Zusammenhang nicht nur auf Google, sondern auch auf alle anderen gewinnorientierten Unternehmen richten.


Quelle: ibusiness

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